Ernährung bei chronischen Darmentzündungen

 

Da Morbus Crohn und Colitis ulcerosa den Verdauungstrakt betreffen, spielt bei diesen Erkrankungen die Ernährung eine wichtige Rolle. Im Folgenden werden wir berichten, was bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa diesbezüglich zu beachten ist. Die Ernährungsempfehlungen sind für Patienten mit Morbus Crohn und Patienten mit Colitis ulcerosa gleichermaßen geeignet.

Was ist bezüglich einer Mangelernährung zu beachten?
Patienten mit einer chronischen Darmentzündung sind häufig von einer Mangelernährung betroffen. Das kann unterschiedliche Gründe haben. Viele Patienten leiden an Appetitlosigkeit, doch auch die Entzündungen im Darm, Durchfall, Unverträglichkeiten und eventuell kürzere Darmabschnitte aufgrund von Operationen können dazu führen, dass der Körper nicht genügend Nährstoffe aufnehmen kann. Daher sollte der Arzt die Patienten regelmäßig auf diese Mängel untersuchen. Unter Umständen kann es nötig sein, bestimmte Vitamine oder Spurenelemente gezielt zuzusetzen.
Um Empfehlungen bezüglich der Energiezufuhr aussprechen zu können, ist es wichtig, zuvor den Ernährungszustand des Patienten zu beurteilen. Ist der Patient untergewichtig, sollte die Energiezugfuhr 20–30 % über dem Bedarf liegen – bei Normalgewichtigen 10–20 % über dem Bedarf. Unter Umständen kann eine Trinknahrung oder die Ernährung über Sonden notwendig sein.

Welche Ernährung empfiehlt sich während eines Krankheitsschubes?
Bei einem Krankheitsschub sollte eine leicht verdauliche, ballaststoffarme Kost bevorzugt werden. Gemüsesäfte wie z. B. Tomatensaft oder Karottensaft eignen sich hier besonders gut, um den Körper mit Vitaminen und Mineralstoffen zu versorgen. Bezüglich Obst ist die Auswahl begrenzt. Bananen, Erdbeeren, Melonen, Kiwi und geschälte Äpfel können verzehrt werden. Wichtig ist, darauf zu achten, dass die Früchte wirklich reif sind.
Die ballaststoffarme Kost sollte nur während eines Krankheitsschubes eingehalten werden und nicht darüber hinaus. Da bei der ballaststoffarmen Ernährung nur wenig Obst und Gemüse zur Auswahl steht, besteht nämlich die Gefahr, zu wenig Vitamine und Mineralien aufzunehmen. Hält der Krankheitsschub lange an, müssen eventuell Vitamin- und Mineralstoffpräparate eingesetzt werden.
Während eines Krankheitsschub ist es außerdem wichtig, genügend Proteine (1–1,5 g/kg Körpergewicht pro Tag) zu sich zu nehmen, da sich der Proteinbedarf aufgrund von Entzündungen, Durchfall und Blutungen erhöht. Hierzu eignen sich beispielsweise mageres Fleisch, magere Fische, magere Käsesorten, Milchprodukte, Eier, Joghurt oder Quark. In schweren Fällen können die Proteine auch künstlich zugesetzt werden.
Was ebenfalls keinesfalls vergessen werden darf, ist, ausreichend zu trinken (2–2,5 l täglich). Bei Durchfall verliert der Körper nämlich viel Flüssigkeit. Hier könnte eine Erinnerungshilfe in Form eines Trinkweckers hilfreich sein.
Bei sehr starken Schüben besteht außerdem die Möglichkeit einer enteralen Ernährung. Hierbei wird die Nahrung in flüssiger Form über Sonden oder als Trinknahrung zugeführt. Die enterale Ernährung kann die tägliche Nahrungsaufnahme entweder komplett ersetzen oder auch nur ergänzen.

Was ist während einer Ruhephase zu berücksichtigen?
Ist der Krankheitsschub überstanden und liegen keine Darmverengungen (Stenosen) vor, sollte die Ballaststoffaufnahme wieder erhöht werden (auf 50 g/Tag). Dies sollte vor allem über nicht blähende Lebensmittel erfolgen. Die Patienten sollten auf eine leichte Vollkost umsteigen. Bei dieser Form der Ernährung wird auf Lebensmittel, die bei mehr als 5 % der Krankenhauspatienten Beschwerden verursachen, verzichtet. Es gilt das Prinzip, dass gegessen werden kann, was vertragen wird. Erfahrungen zeigten, dass Lebensmittel mit einem hohen Fettgehalt, mit blähenden Inhaltsstoffen, scharf gewürzte Lebensmittel, Eisgekühltes und sehr kohlensäurehaltige Getränke eher weniger gut vertragen werden. Auch die Zubereitungsart ist von Bedeutung. Dämpfen, Dünsten und Garen sind bekömmlicher als Braten bei hohen Temperaturen, Schmoren und Frittieren. Es ist außerdem zu beachten, dass Patienten mit einer chronischen Darmentzündung häufiger unter Nahrungsmittelunverträglichkeiten leiden. Daher sollte jeder Patient für sich selbst ausprobieren, was ihm guttut und was nicht. Um hier einen Überblick zu behalten, empfiehlt sich ein Ernährungstagebuch. In diesem können die verzehrten Lebensmittel und eventuell die mit diesen einhergehenden Symptomen eingetragen werden.
Bei all diesen Empfehlungen ist zu beachten, dass diese darauf abzielen, das Wohlbefinden der Patienten zu verbessern. Bestimmte Lebensmittel, die die Ruhephase verlängern und einen Krankheitsschub hinauszögern, sind laut den aktuellen Leitlinien zu Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nicht bekannt.

Allgemeine Hinweise
Generell empfiehlt es sich, mehrere kleine Mahlzeiten statt drei Hauptmahlzeiten einzunehmen, da durch die kleineren Portionen der Darm weniger belastet wird. Außerdem sollte die Nahrung gründlich gekaut werden. Wird der Energie- und Nährstoffbedarf nicht ausreichend gedeckt, kann sowohl während eines Krankheitsschubes als auch während einer Ruhephase Trinknahrung eingesetzt werden. Je nach Mangelerscheinungen können zudem eventuell Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein.

 

Zusammengefasst

Während eines Schubs:

  • ballaststoffarme Kost
  • genügend Proteine
  • ausreichend trinken
  • eventuell könnten Nahrungsergänzungsmittel,
  • Trinknahrung oder Sondennahrung erforderlich sein

 

Während einer Ruhephase:

  • leichte Vollkost
  • Unverträglichkeiten beachten

 

Generelle Tipps:

  • intensiv kauen
  • mehrere kleine Mahlzeiten
  • besser Dämpfen, Dünsten und Garen als Braten bei hohen Temperaturen, Schmoren und Frittieren
  • blähende, sehr fetthaltige, eisgekühlte und scharf gewürzte Lebensmittel meiden
  • Ernährungstagebuch führen